Lehren

Unlock the story within – Stoffentwicklung von innen nach außen

„Ich schließe meine Augen, um zu sehen“, sagte Paul Gauguin und malte. Die Methode des automatischen Schreibens funktioniert vergleichbar: Es geht darum, Kontroll- und Zensurmechanismen überwinden zu lernen und zu eigenen Texten zu finden. Für Tschechow ging es um „ein Aufrichtigsein: Sich selbst über Bord zu werfen“. Das, was spontan entsteht, erst einmal hinzunehmen, um es in weiteren Schritten zu überarbeiten.

Vielen Autoren dient die Methode der écriture automatique als Möglichkeit, Zugang zu unbewussten Ideen zu finden – Motive, Orte, Themen und Figuren zu entdecken, von denen man gar nicht wusste, dass sie in einem schlummern. Diese immer rohen Stücke können Inspiration sein, um beim Schreiben zu bleiben, sie können dazu dienen, einen neuen Blick auf bereits bestehende Texte zu erhalten. Die Übungen können bei der Überwindung von Schreibblockaden helfen und etwas zu Tage fördern, was die Grundlage jeder Autorenschaft ist: eine eigene literarische Stimme.

Wir machen uns das Handwerk hinter dem Schreiben bewusst: Was sind Ziele von Figuren, wie helfen sie uns zum Erzählen einer Geschichte? Sehnsüchte, Dilemmata, Konflikte, Fallhöhen, antagonistische Kräfte, Kontraste, Erzähl-Perspektiven etc. Was leistet die Zeit im Erzählen. Wir lernen die Gestaltung von Szenen, Dialogen. Wir erhalten praktische Einblicke in den dramatischen Aufbau einer Geschichte, und fokussieren immer auf die wichtigen Fähigkeiten, die man fürs Schreiben braucht: Menschliches Verhalten genau zu beobachten und beschreiben zu können, gute Figurenentwicklung. Unsere Wahrnehmung zu stärken, um unsere sprachlichen Fähigkeiten zu schärfen, den Fundus unserer Erinnerungen anzuzapfen.

Alle handwerklichen Aspekte werden anhand von konkreten Schreibübungen spielerisch ausprobiert und vertieft.Wir besprechen das Geschriebene konstruktiv, im Sokrates‘schen Sinne (könnte man sagen): behutsame Interpretation bringt Neues hervor. Durch die Text-analysen lernen wir weiter, schulen unseren Blick. Wir werden achtsamer beim Zuhören, Lesen und Schreiben.

Spielerisch und nebenbei pflegen Sie Ihr Werkzeug, Ihre Sprache – und entwickeln Ihre ganz eigene Schreibstimme. Sie schulen Ihre Wahrnehmungsfähigkeit und finden Ihren Ausdruck für vormals schwer Auszudrückendes. Sie erweitern Ihr Vermögen, sich zu erinnern. Sie werfen neue Blicke auf sich und Ihre Mitmenschen – und werden das, was Sie sehen, in Erzählungen verwandeln können, die uns berühren.

In Berlin: Schreibwerkstatt im UCW, jeden 2. Freitag, 18 bis 21 Uhr. Kosten pro Abend: 20 Euro. Kontakt: 0173 604 22 79 oder info (at) stagelabor.de

Im Februar 2020 in Berlin: Das Geheimnis guter Geschichten, Seminar für die Textmanufaktur. Im Mai 2020 Seminar und Vortrag auf der Narrata.